Team BEB erfolgreich bei Paralympics in Turin
Bei den Winter-Paralympics in Turin ist auch das Team BEB wieder an den Start gegangen. Die Athleten traten vom 10. bis 19. März in mehreren Disziplinen an und zeigten herausragende Leistungen. Die stolze Bilanz: Platz vier im Sledge-Eishockey, Silber für den Emsländer Biathleten Josef Giesen und Platz sieben beim Super G des Ski alpin für Frank Pfortmüller.
Sledge was? die Frage hören die Spitzensportler aus dem BEB-Team oft genug. Dabei ist die Wintersportart bereits vor 30 Jahren in Schweden entwickelt worden und seit 1994 eine Disziplin bei den Paralympics. Die Spieler sitzen dabei auf einem niedrigen, individuell angepassten Schlitten. Für etwas mehr Bekanntheit des Schlittenhockeys hat die deutsche Nationalmannschaft nicht zuletzt mit dem Krimi gesorgt, den sie in dieser Sportart in Turin aufs blanke Eis legte. Sieben Athleten aus dem Team BEB ließen die Partien beinahe zu einer niedersächsischen Angelegenheit werden. Als Neuling im paralympischen Kader hatten sich Spieler Udo Segreff und Co. einen Platz unter den ersten Fünf erhofft. Dafür kämpfte die Mannschaft gleich vom ersten Spiel an, das sie gegen den von der deutschen Spielstärke überraschten Weltmeister USA austrug. Der deutsche Fanblock mittendrin BEB-Geschäftsführer Dr. Meinhard Janssen und seine Frau, die die Paralympics zu einem privaten Kurzurlaub in Turin nutzten gab alles, um die Männer auf dem Eis frenetisch anzufeuern. Die Kulisse zeigte die ersehnte Wirkung, denn Goalkeeper Rolf Rabe legte eine Glanzparade nach der anderen aufs Eis und hatte damit wesentlichen Anteil am verdienten 2:1-Sieg der deutschen Mannschaft.
Deutschland blieb auf der Siegerstraße: Die Stimmung ist der absolute Hammer, so etwas haben wir noch nie erlebt, hieß es nach dem zweiten Coup, einem überragenden 4:0-Erfolg gegen Schweden im Hexenkessel des Turiner Eisstadions. Nach einem torlosen Spiel gegen Japan zog das Team sogar ins Halbfinale ein, doch dann kam ein dicker Dämpfer: das 0:5 gegen den späteren Paralympics-Sieger Kanada. Jetzt ging es um Bronze, und der Gegner hieß wieder USA. Doch diesmal waren die Amerikaner besser vorbereitet und behaupteten sich nach einem packenden Kampf mit 4:3. Dennoch war es für das deutsche Team ein großer Erfolg. Wahnsinn, das erste Mal bei den Paralympics dabei und gleich der vierte Platz, begeisterten sich vor allem die Eishockey-Fans aus Niedersachsen. Zurück in Deutschland bereitete BEB den Spitzensportlern in der Expo- Lounge am Flughafen Hannover einen herzlichen Empfang. Das Team revanchierte sich mit einem besonderen Mitbringsel: Es schenkte Geschäftsführer Janssen den Puck, der zum 2:1 gegen die USA in den Maschen gelandet war. Was den Reiz beim Sledge-Eishockey ausmacht, fasste einer der Spieler zusammen: Da geht es zur Sache, du saust übers Eis, krachst gegen die Bande und siehst Sterne das ist es! Vom Erfolg angetrieben, geht es nun weiter, und die Sportler treffen sich als ESC Hannover Scorpions zum mitternächtlichen Training in Hannover oder Mellendorf.
Biathlon: Eine Sekunde vom Gold entfernt
Er stammt nicht gerade aus einem typischen Wintersportort. Dennoch gilt Josef Giesen aus dem emsländischen Herzlake als Ausnahmeathlet. Der schwer Contergan-Geschädigte ist Deutschlands überragender Behindertensportler im Biathlon. Bei den Paralympics holte er Silber. Bereits über die 12,5-Kilometer-Distanz hatte sich Giesen gleich einen Medaillenplatz erkämpft, musste aber beim Schießen Verluste hinnehmen. Ich habe alles gegeben, aber die wechselnden Winde auf dem Schießstand haben mir zu schaffen gemacht. Umso besser klappte es dann auf der 7,5-Kilometer- Strecke, auf der ihm nach einem packenden Zweikampf nur eine winzige Sekunde zum paralympischen Gold fehlte. Für diese herausragende Leistung bekam Giesen eine zweite Auszeichnung: Bundespräsident Horst Köhler verlieh dem Spitzensportler das Silberne Lorbeerblatt die höchste staatliche Auszeichnung für Sportler.
Ski alpin: Mit drittbester Zeit auf Platz sieben
Um die unterschiedlichen Behinderungen der Athleten fair zu berücksichtigen, erfolgt die Wertung nach einem Faktorensystem. So erklärt es sich, dass Alpin-Skiläufer Frank Pfortmüller unter den Augen der italienischen Abfahrtslegende Alberto Tomba im Super G die drittbeste Zeit fuhr und doch auf Platz sieben landete. Leicht enttäuscht zeigte sich Pfortmüller über seinen neunten Platz im Riesenslalom: Die Strecke war in der Sonne weich geworden, und ich bin wohl etwas zu hart gefahren. Dennoch war es eine Riesenleistung, die allerdings im Schatten des deutschen Goldmedaillen- Gewinners Gerd Schönfelder stand.

